Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees,
aufgezeichnet von Bürgermeister Peter Loben.

Es sind die Jahre 1940, 1945 und 1946 eingestellt.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1940
In der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1940 – dem Tag des Beginns des Westfeldzuges – erlebte die Bevölkerung den ersten Luftangriff. Der Bahnhof Rheinbach war das Ziel des Angriffs, den die Oberdreeser interessiert in Nichtachtung der Gefahr wie ein kostenlosen Schauspiel verfolgten. Ihre Neugier erhielt jedoch einen großen Dämpfer, als man am nächsten Tag die Wirkung des Bombardements erkannte, und man zog doch vor, beim nächsten Male sein Leben etwas mehr in acht zu nehmen. Dazu sollte sich schon bald Gelegenheit finden. In der Nacht vom 17. zum 18. Juli fiel eine Luftmine 250 m vom Ort entfernt in der Nähe der Sandgruben, wo sie mit ohrenbetäubendem Knall zerbarst. Allenthalben waren im Ort die Fensterscheiben eingedrückt, die Dächer abgehoben und Türen aus den Angeln gerissen. Ebenfalls waren die Kirchenfenster auf der Westseite aus ihren Bleiverglasungen gerüttelt und lagen zertrümmert am Boden. Die Oberdreeser wallfahrten am nächsten Tag zur Einschlagstelle und raunten sich zu: „Wenn die im Dorf......! Man wagte nicht weiter zu denken.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1945
Mit den wenigen Arbeitern, welche noch hier sind, wird die Feldarbeit wieder aufgenommen. Mit unseren zurückflutenden Soldaten sind die früher hier im Arbeitseinsatz stehenden Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter, etwa 70 Mann, ebenfalls abgezogen. Unsere Söhne und Bürger sind alle in Gefangenschaft gewandert, so dass kaum noch vollwertige Arbeiter hier sind. Aber die Felder müssen wieder bestellt werden.
Obschon zahlreiche Bombentrichter, Stellungsbauten, Einmannlöcher und dergleichen die Arbeiten sehr erschweren, es wird wieder gearbeitet und gesäet, wir wollen weiterleben und wieder aufbauen. Infolge ungenügender Arbeitskräfte verschiebt sich die Aussaat um bald einen Monat und der fehlende Dünger trägt mit dazu bei, daß das Jahr 1945 eine nur 50% Ernte bringt, bei Hackfrucht ist es noch weniger. Die Auswirkung hiervon wird im nächsten Jahr katastrophal.
Am 29. März rollt der erste Zug wieder auf der Strecke, der Bahn Bonn Düren. Es sind aber alliierte Militärzüge, deren Räder für ihren Sieg rollen. Erst später wird den Deutschen das Mitfahren auf leeren Güterwagen erlaubt, bis im Sommer wieder planmäßige Personenzüge eingesetzt werden konnten. Den ganzen Sommer über passieren viele deutsche Kriegsgefangene den Ort, um rückwärts in Sammellager gebracht zu werden. Und nicht selten geschieht es, dass Oberdreeser
Soldaten hier durch den Ort in Gefangenschaft ziehen und ein erstes Lebenszeichen von sich geben. Ebenfalls belagern wieder unzählige Flüchtlinge die Straßen, die in ihre verlassene Heimat zurückkehren wollen. Jede Nacht muß für diese armen Menschen Quartier gemacht werden, deren Rückwanderung Wochen gar monatelang andauert. In ihren Augen stehen die Not, Sorge und Entbehrung und das Leid geschrieben.
Am 19. April brennt nach langer Zeit wieder das elektrische Licht. Die Rheinbacher Molkerei setzt den 24. April als Tag ihres Arbeitsbeginns fest. Am 25. April läuten in Oberdrees wieder die Kirchenglocken, oder vielmehr das eine „Armsünderglöckchen“, das uns noch geblieben ist.
Am 28. April sind die ersten Soldaten des Ortes aus der Gefangenschaft zurück, jedoch nicht als Entlassene, sondern als Flüchtlinge. Sie bringen erste Kunde von dem Leben in der Gefangenschaft, von Hunger und Not und nicht zuletzt auch vom Ende dieses gewaltigen Ringens, vom Ende dieses Krieges. Es kann ja nicht mehr lange dauern. Wo soll denn das noch hin?

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1946

Die am 29. Oktober 1946 angeordnete Volkszählung ergab in Oberdrees

204 selbstständige Haushaltungen mit
767 bewohnten Räumen und
376 Personen männlich
458 Personen weiblich

834 Personen zusammen, davon
80 Zugezogene aus der britischen Zone
85 Zugezogene aus der russischen Zone
12 Zugezogene aus der amerik. Zone

42 Söhne der Gemeinde befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft.

gez. Loben G.V. 3.11.46

Die Viehzählung vom 3. Dez. 1946 ergab:

79 Pferde einschl. Fohlen
1 Esel
399 Rindvieh
428 Hühner
15 Schafe
65 Gänse
233 Schweine
4 Enten
43 Ziegen
4 Truthühner
357 Kaninchen
12 Zwerghühner