Die historische Karten (© Geobasisdaten: Landesvermessungsamt NRW, Bonn 1612/2007) zeigen die Entwicklung und Veränderungen um Oberdrees in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Karten zeigen die Jahre von 1938 - 2006 die in einer Diashow hintereinander gelegt sind, so dass man die Veränderungen im Ort und in Feld und Flur einfacher nachvollziehen kann.
Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees,
aufgezeichnet von Bürgermeister Peter Loben.

Es sind die Jahre 1940, 1945 und 1946 eingestellt.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1940
In der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1940 – dem Tag des Beginns des Westfeldzuges – erlebte die Bevölkerung den ersten Luftangriff. Der Bahnhof Rheinbach war das Ziel des Angriffs, den die Oberdreeser interessiert in Nichtachtung der Gefahr wie ein kostenlosen Schauspiel verfolgten. Ihre Neugier erhielt jedoch einen großen Dämpfer, als man am nächsten Tag die Wirkung des Bombardements erkannte, und man zog doch vor, beim nächsten Male sein Leben etwas mehr in acht zu nehmen. Dazu sollte sich schon bald Gelegenheit finden. In der Nacht vom 17. zum 18. Juli fiel eine Luftmine 250 m vom Ort entfernt in der Nähe der Sandgruben, wo sie mit ohrenbetäubendem Knall zerbarst. Allenthalben waren im Ort die Fensterscheiben eingedrückt, die Dächer abgehoben und Türen aus den Angeln gerissen. Ebenfalls waren die Kirchenfenster auf der Westseite aus ihren Bleiverglasungen gerüttelt und lagen zertrümmert am Boden. Die Oberdreeser wallfahrten am nächsten Tag zur Einschlagstelle und raunten sich zu: „Wenn die im Dorf......! Man wagte nicht weiter zu denken.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1945
Mit den wenigen Arbeitern, welche noch hier sind, wird die Feldarbeit wieder aufgenommen. Mit unseren zurückflutenden Soldaten sind die früher hier im Arbeitseinsatz stehenden Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter, etwa 70 Mann, ebenfalls abgezogen. Unsere Söhne und Bürger sind alle in Gefangenschaft gewandert, so dass kaum noch vollwertige Arbeiter hier sind. Aber die Felder müssen wieder bestellt werden.
Obschon zahlreiche Bombentrichter, Stellungsbauten, Einmannlöcher und dergleichen die Arbeiten sehr erschweren, es wird wieder gearbeitet und gesäet, wir wollen weiterleben und wieder aufbauen. Infolge ungenügender Arbeitskräfte verschiebt sich die Aussaat um bald einen Monat und der fehlende Dünger trägt mit dazu bei, daß das Jahr 1945 eine nur 50% Ernte bringt, bei Hackfrucht ist es noch weniger. Die Auswirkung hiervon wird im nächsten Jahr katastrophal.
Am 29. März rollt der erste Zug wieder auf der Strecke, der Bahn Bonn Düren. Es sind aber alliierte Militärzüge, deren Räder für ihren Sieg rollen. Erst später wird den Deutschen das Mitfahren auf leeren Güterwagen erlaubt, bis im Sommer wieder planmäßige Personenzüge eingesetzt werden konnten. Den ganzen Sommer über passieren viele deutsche Kriegsgefangene den Ort, um rückwärts in Sammellager gebracht zu werden. Und nicht selten geschieht es, dass Oberdreeser
Soldaten hier durch den Ort in Gefangenschaft ziehen und ein erstes Lebenszeichen von sich geben. Ebenfalls belagern wieder unzählige Flüchtlinge die Straßen, die in ihre verlassene Heimat zurückkehren wollen. Jede Nacht muß für diese armen Menschen Quartier gemacht werden, deren Rückwanderung Wochen gar monatelang andauert. In ihren Augen stehen die Not, Sorge und Entbehrung und das Leid geschrieben.
Am 19. April brennt nach langer Zeit wieder das elektrische Licht. Die Rheinbacher Molkerei setzt den 24. April als Tag ihres Arbeitsbeginns fest. Am 25. April läuten in Oberdrees wieder die Kirchenglocken, oder vielmehr das eine „Armsünderglöckchen“, das uns noch geblieben ist.
Am 28. April sind die ersten Soldaten des Ortes aus der Gefangenschaft zurück, jedoch nicht als Entlassene, sondern als Flüchtlinge. Sie bringen erste Kunde von dem Leben in der Gefangenschaft, von Hunger und Not und nicht zuletzt auch vom Ende dieses gewaltigen Ringens, vom Ende dieses Krieges. Es kann ja nicht mehr lange dauern. Wo soll denn das noch hin?

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1946

Die am 29. Oktober 1946 angeordnete Volkszählung ergab in Oberdrees

204 selbstständige Haushaltungen mit
767 bewohnten Räumen und
376 Personen männlich
458 Personen weiblich

834 Personen zusammen, davon
80 Zugezogene aus der britischen Zone
85 Zugezogene aus der russischen Zone
12 Zugezogene aus der amerik. Zone

42 Söhne der Gemeinde befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft.

gez. Loben G.V. 3.11.46

Die Viehzählung vom 3. Dez. 1946 ergab:

79 Pferde einschl. Fohlen
1 Esel
399 Rindvieh
428 Hühner
15 Schafe
65 Gänse
233 Schweine
4 Enten
43 Ziegen
4 Truthühner
357 Kaninchen
12 Zwerghühner
Nachstehende Übersicht stellt die Ergebnisse der Wahlen zum Stadtrat in Rheinbach seit 1969 dar:
Die fett dargestellten Zahlen zeigen auf, in welcher Ratsperiode die CDU die absolute Mehrheit hatte.

Termin Kommunalwahl

CDU

SPD

UWG

FDP

Bündnis 90 / Die Grünen

Gesamtzahl der Ratsmitglieder

09.11.1969

19

12

--

2

--

33

04.05.1975

26

11

--

2

--

39

30.09.1979

24

12

--

3

--

39

30.09.1984

18

9

8

2

2

39

01.10.1989

19

9

7

2

2

39

16.10.1994

20

11

6

--

2

39

12.09.1999

19

8

5

2

2

36

26.09.2004

17

9

5

2

3

36

30.08.2009

17

8

4

4

3

36

25.05.2014

17

10

3

3

3

36

Herr Heinz Büttgenbach berichtete 2008 in "kultur und gewerbe" über die Gemeinedevertretungen der rheinbacher Orte.

Mit seiner Genehmigung veröffentlichen wir hier die Abhandlung über Oberdrees.
B1 1B2 1B3 1B4 1B5 1B6 1B7 1B8 1
B11 1
B12 1

Die heutige Stadt Rheinbach besteht aus der ehemaligen Kernstadt Rheinbach und den seit der kommunalen Neuordnung (1. August 1969) aus dem gleichzeitig aufgelösten Amt Rheinbach-Land hinzugekommenen neun, ehemals politisch selbständigen Gemeinden Flerzheim, Hilberath, Neukirchen, Niederdrees, Oberdrees, Queckenberg, Ramershoven, Todenfeld und Wormersdorf.

1969 hatte die neue Stadt Rheinbach 18.979 Einwohner, davon entfielen 11.542 EW auf die eigentliche Kernstadt.

Ebenfalls wurde 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung der ehemalige Landkreis Bonn aufgelöst und das Stadtgebiet Rheinbach dem neugebildeten Rhein-Sieg-Kreis zugeordnet.

Die Gemeindeordnung NRW regelt im § 39 die Gemeindebezirke in den kreisangehörigen Gemeinden. Demnach kann das Gemeindegebiet in Bezirke bzw. Ortschaften eingeteilt werden.

Für jeden Gemeindebezirk/Ortschaft sind vom Rat entweder Bezirksausschüsse zu bilden oder Ortsvorsteher zu wählen. Der Rat der Stadt Rheinbach hat sich seinerzeit für die Wahl von OrtsvorsteherInnen entschieden.

Somit wählt der Rat der Stadt Rheinbach seit 1970 für die Ortsteile Ortsvorsteher, dieser nimmt die Belange seines Bezirks/Ortschaft gegenüber dem Rat wahr. Der Ortsvorsteher kann für das Gebiet seiner Ortschaft mit der Erledigung bestimmter Geschäfte der laufenden Verwaltung beauftragt werden; er ist sodann zum Ehrenbeamten zu ernennen. Er führt diese Geschäfte in Verantwortung gegenüber dem Bürgermeister durch.

Namen und Zeiten der Oberdreeser Ortsvorsteher, nach den jeweiligen Kommunalwahlen seit 1969:

20.04.1970 - Ende 1973 Peter Eschweiler (genaues Ende-Datum nicht bekannt)

17.12.1973 - 04.05.1975 Ludwig Fett

18.06.1975 - 16.10.1994 Günter Mahlberg

ab 09.01.1995 Ludwig Fett

23.11.2009 Kurt Brozio

Die "Fehlzeiten" sind durch das jeweilige Ende der Wahlzeit und die Neuwahl durch den Rat bedingt.
Auf den historischen Karten der Jahre 1938 bis 1970 ist noch deutlich der Bahndamm zu erkennen, der unmittelbar am Ortsrand von Oberdrees entlanglief. Für den Bau der Autobahn A 61 wurde die Erdmasse des Bahndammes abgebaggert und an den Brücken aufgeschüttet und bildet jetzt die
Auf- und Abfahrrampen zu den Autobahnbrücken. Nach der Flurbereinigung ist die alte Dammtrasse verschwunden.
2726163Rund 40 Jahre querte diese Bahndammbrücke die Straße zwischen Oberdrees und Rheinbach. 1959 wurde die Brücke abgerissen. Das Foto entstand im April 1940, als deutsche Truppen Richtung Westen zogen.

Bild- und Textquelle: Dietmar Pertz

Aber wieso hat es den Bahndamm überhaupt gegeben?

Der Bahndamm war Teil der sogenannten „Strategischen Bahn“ die von den preußischen Militärs noch vor dem Ersten Weltkrieg aus strategischem Grund zur Kriegsführung geplant wurde.

Lesen Sie zur weiteren Erklärung den folgenden Artikel:

Mit Volldampf durch den Kreis - 150 Jahre Eisenbahn

Serie im Kölner Stadt-Anzeiger Dezember 1985 - Februar 1986
Von Helmut Weingarten
Erschienen im Rheinland-Verlag 1987 in überarbeiteter erweiterter Form als Buch „Die Eisenbahn zwischen Rhein und Erft“


8. Champignons im Tunnel
Kölner Stadtanzeiger vom 3.1.1986

Der erste Weltkrieg und der Braunkohleabbau machten Pläne zunichte

bahnhof liblarSo sah der Bahnhof Liblar einmal aus: Er sollte Kreuzungspunkt der geplanten „strategischen Bahn“ mit der Staatsbahn werden. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Inzwischen sind auch die Gebäude abgerissen.

Schon in den Anfangsjahren der Eisenbahn betrachteten die Militärs dieses neue Verkehrsmittel mit Argwohn. Sie befürchteten, die Bahn könnte in die Hände des Gegners fallen, der damit ein bequemes Transportmittel hätte. Was für die Verteidigung bedeutet hätte, wagten sie sich nicht auszudenken. So schauten bei den Genehmigungsverfahren für neue Strecken in Berlin nicht nur die Ministerialen des Innenministeriums in die Akten der damals noch privaten Gesellschaften, auch der Generalstab hatte ein gewichtiges Wort mitzureden.

Schon die Rheinische Eisenbahn Gesellschaft, eine der führenden westdeutschen Bahngesellschaften, bekam das in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu spüren, als sie die Strecke Köln-Aachen baute. Um das Ziel Köln zu erreichen, mußte der Schienenstrang den damals noch bestehenden Festungsgürtel durchqueren. Das stellte die Planer wegen des starken Funkenfluges der ersten Lokomotiven vor erhebliche Probleme - immerhin lagen an der Strecke Munitionslager. Schließlich fand man doch noch eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung.

Die Militärs erkannten später aber auch für sich den strategischen Nutzen der Eisenbahn für den Transport von Truppen und Material. Zu diesem Umdenkungsprozeß hatten der Krieg 1870/71 und Erfahrungen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg den Ausschlag gegeben.

So entstand bei den preußischen Generalstäblern wenige Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges der Plan für eine besonders leistungsfähige, „strategische Bahn“. Sie sollte - ohne Köln zu berühren - linksrheinisch das Rhein-Ruhr-Gebiet mit dem lothringischen Industrierevier verbinden.

Vorgesehen war eine Strecke von Neuss über Rommerskirchen, Bergheim, Horrem, Liblar und Rheinbach nach Dernau an der Ahr.

Gleichzeitig sollte diese „strategische Bahn“ die bestehende linksrheinische Eisenbahn entlasten. Die Planung für das Projekt und der Streckenausbau wurden mit großem Eifer betrieben.

karte bahndammAus dem Jahr 1917 stammt diese Karte mit der eingezeichneten (gestrichelten) Linie der „strategischen Bahn“. Bei den Strecken 3 und 4 handelt es sich ebenfalls um militärische Linien.

Doch dann kam alles anders: Das Kriegsende und der Versailler Vertrag bedeuteten das Aus für die Bahn. Ein herber Schlag, denn auf der Strecke von der Ahr bis Liblar waren schon beachtliche bauliche Vorleistungen erbracht worden.

Heute noch sind Einschnitte, Dammaufschüttungen, Brückenbauwerke und Tunnel vorhanden. Die Bürger machten aus der Not eine Tugend und nutzten die Vorgaben der gescheiterten Bahnbauer. In den Tunnels züchteten sie Champignons, an den Dämmen wurden Rebstöcke gepflanzt und ein Teil der Trasse wurde als Radwanderweg und Straße ausgebaut. Die Erfttalstraße liegt zum Teil auch auf dieser Trasse.

Aber in einem Abschnitt ging die „strategische Bahn“ doch in Betrieb, und zwar zwischen Rommerskirchen-Mödrath und Liblar. Allerdings verkehrten hier keine Militärzüge, sondern Kohletransporte.

Dabei hatte es gerade auch für Mödrath große Pläne gegeben. Diese Station sollte als Eisenbahn-Knotenpunkt und als Hauptbetriebswerk ausgebaut werden. Doch der Braunkohlenbergbau machte die Planungen zunichte.

Die einzige befahrene Strecke der in die Fachliteratur als „Unvollendete“ eingegangenen strategischen Bahn, gehörte ursprünglich den Bergheimer Kreisbahnen und der Mödrath-Liblar-Brühler-Eisenbahn. Beide übernahm im Jahre 1913 der Staat.

Teile der Strecke wurden später stillgelegt, so am 23. Mai 1971 der Abschnitt Rommerskirchen-Niederaußem. Der letzte Personenverkehr verkehrte im Mai 1961 zwischen Liblar und (dem 1956 neu angelegten Bahnhof) Mödrath.


moedrathDoch dann kam alles anders: Das Kriegsende und der Versailler Vertrag bedeuteten das Aus für die Bahn. Ein herber Schlag, denn auf der Strecke von der Ahr bis Liblar waren schon beachtliche bauliche Vorleistungen erbracht worden.

Heute noch sind Einschnitte, Dammaufschüttungen, Brückenbauwerke und Tunnel vorhanden. Die Bürger machten aus der Not eine Tugend und nutzten die Vorgaben der gescheiterten Bahnbauer. In den Tunnels züchteten sie Champignons, an den Dämmen wurden Rebstöcke gepflanzt und ein Teil der Trasse wurde als Radwanderweg und Straße ausgebaut. Die Erfttalstraße liegt zum Teil auch auf dieser Trasse.

Aber in einem Abschnitt ging die „strategische Bahn“ doch in Betrieb, und zwar zwischen Rommerskirchen-Mödrath und Liblar. Allerdings verkehrten hier keine Militärzüge, sondern Kohletransporte.

Dabei hatte es gerade auch für Mödrath große Pläne gegeben. Diese Station sollte als Eisenbahn-Knotenpunkt und als Hauptbetriebswerk ausgebaut werden. Doch der Braunkohlenbergbau machte die Planungen zunichte.

Die einzige befahrene Strecke der in die Fachliteratur als „Unvollendete“ eingegangenen strategischen Bahn, gehörte ursprünglich den Bergheimer Kreisbahnen und der Mödrath-Liblar-Brühler-Eisenbahn. Beide übernahm im Jahre 1913 der Staat.

Teile der Strecke wurden später stillgelegt, so am 23. Mai 1971 der Abschnitt Rommerskirchen-Niederaußem. Der letzte Personenverkehr verkehrte im Mai 1961 zwischen Liblar und (dem 1956 neu angelegten Bahnhof) Mödrath.

Bei der Internetrecherche über Oberdrees wurde die Autobiographie von Herrn Karlheinz Franke gefunden. Herr Franke war nach dem Krieg Bauernknecht in Oberdrees.

franke1Der folgende Text ist seinem Buch entnommen:

Am 13. Mai 1949 kamen wir auf dem Bahnhof in Rheinbach an und liefen mit unserem Rucksack nach Oberdrees, wo ich mich auf dem Bauernhof K... meldete. Meine Unterkunft war eine unbeheizte Kammer über dem Schweinestall. Das Mobiliar bestand aus einem Bett, einem Schrank und einer alten Treckerbank. Gewaschen habe ich mich unter dem kalten Wasserhahn in der Waschküche. Samstags wurde im Schweinestall eine Holzwanne aufgestellt, ein Kessel Wasser heiß gemacht, und man konnte zu einer festgesetzten Zeit baden. Frau K... war Witwe. Ihr Mann war in den letzten Kriegstagen mit dem Trecker auf eine Miene gefahren. Ihr Sohn Joseph war etwas jünger als ich und spielte den Chef. Außerdem waren noch die beiden Töchter im Hause. Die ältere Tochter war Kriegerwitwe und hatte ihren Hof in der Altmark verloren, die jüngere war mit einem Gutsbesitzer aus dem Nachbardorf befreundet und hoffte, dass er sie heirate. Zur „Herrschaft“ gehörte auch noch ein entlassener Soldat aus Ostpreußen. Sein Vater war früher Hotelbesitzer gewesen, und er hatte während des Krieges dort im Quartier gelegen. Die Herrschaft aß die Mahlzeiten im Wohnzimmer und wenn abgeräumt wurde, bekamen wir, Anna und ich, manchmal auch noch Arbeiter aus dem Dorf in der Küche unser Essen. Anna war Flüchtling aus Schlesien und hatte einen fünfjährigen Jungen, der von einem Russen stammte.


frankeIch hatte morgens die vier Pferde zu putzen und zu füttern. Es waren schwere Belgier, die hart arbeiten mussten, besonders beim Pflügen auf dem schweren Lehmboden. Anschließend gab es Frühstück. Nach dem Frühstück fuhren wir auf die Felder, um Futter für die Kühe zu holen. Die Felder lagen sehr weit auseinander, da Frau Kleefuß mehrere Hektar mit in die Ehe gebracht hatte. Die Kühe standen das ganze Jahr über im Stall, und das Jungvieh lief auf dem Misthaufen herum und wurde dort gefüttert. Es gab einen leichten Trecker, der aber nur zum Mähen des Futters gebraucht wurde. Das Gemenge, Klee und Seradella, mussten wir zusammenharken und auf einen einachsigen Wagen laden, der auf dem Hof abgekippt wurde. Wenig begeistert war ich von der Arbeit des Rübenverziehens. Es wurde mit der Hacke vorgearbeitet und dann auf den mit alten Säcken umwickelten Knien verzogen und nur eine Rübenpflanze stehen gelassen. Sonntags gingen Edgar und ich zu Fuß nach Rheinbach zur Kirche. Die evangelische Kirchengemeinde war mit ihren Gottesdiensten in einer kleinen Klosterkapelle zu Gast. Inzwischen hatten wir uns aus alten Teilen ein Fahrrad zusammengebaut und beschlossen, an den Rhein zu fahren. Wir landeten in Remagen, wo mehrere Rheinschiffe am Ufer lagen und auf Schleppdampfer warteten. Ich fragte einen Schiffer, ob er nicht einen Matrosen gebrauchen könne. Er sagte ja, aber dann müsse ich spätestens in zwei Tagen anfangen, weil dann der Dampfer käme. Auch für Edgar war auf dem Nachbarschiff eine Stelle frei geworden, und wir fuhren glücklich nach Oberdrees zurück. Als ich kündigte, gab es mit Jupp Kleefuß eine handgreifliche Auseinandersetzung, die seine Mutter aber dann schlichtete. Ich nahm Abschied von meiner Kammer mit den russischen und polnischen Beschriftungen an der Holzwand und schrieb an einer freien Stelle das Goethe-Zitat hinzu: „Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht, wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht.“ Dann fuhren wir mit dem Bus nach Remagen, weil Jupp mir das Rad weggenommen hatte.

 Herr Franke selbst lebt heute in Wildeshausen bei Oldenburg.

Wer nun Interesse hat das ganze Buch zu lesen, kann es unter nachstehender Adresse bestellen. Die Kontaktaufnahme ist ebenfalls über die Adresse möglich.

franke isbn

Die Rheinbacher Bürger beweinten noch die Opfer des "Schwarzen Tages", da hagelte es erneut Bomben auf die Stadt - Auch die umliegenden Dörfer blieben nicht verschont

Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen wir den Artikel hier nicht einstellen.

Bitte folgen Sie diesem Link zum General Anzeiger:  

Kurzer geschichtlicher Überblick, recherchiert von Norbert Strauch im Jahr 1984, veröffentlicht anlässlich des Straßenfestes im Neubaugebiet Stolpstraße am 20. Juni 1984.

Redigiert von Kurt Brozio am 14. Juli 2007.
(Ein offizieller Text zur Dorfgeschichte wird zur Zeit vom Stadtarchivar der Stadt Rheinbach, Herrn Dietmar Pertz, erstellt.)

Das Gebiet unseres Heimatortes wurde bereits vor etwa 7000 Jahren von einwandernden Menschen besiedelt. Spuren früherer Ansiedlung wurden 1919 bei Lützermiel entdeckt und auf ein Alter von 6000 Jahren geschätzt.

(Kurt Brozio: Lützermiel lag in der Nähe des heutigen Swisttal-Miel, an der Schnittstelle zwischen der B56 von Miel in Richtung Bonn und des Swistbachs; Details hierzu sollen in einer Nachfrage bei Dr. Klaus Grewe vom Rheinisches Landesmuseum Bonn, geklärt und hinzugefügt werden; Dr. Grewe ist mir persönlich bekannt).

Es fanden sich Feuersteinsplitter und Bruchstücke eines Steinbeiles.

Ein Mahlstein einer neolithischen Handmühle aus Mayener Basaltlava wurde in Oberdrees gefunden; er befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Nachdem Cäsar Gallien erobert hatte, wurde der Rhein Grenze des Römischen Reiches. Dabei wurden die damals in unserem Heimatgebiet lebenden Eburonen durch die Römer ausgerottet und es wurden hier die friedlicheren Ubier von der rechten Rheinseite angesiedelt. Reste geschlossener Siedlungen aus römischer Zeit konnten bisher nicht gefunden werden, jedoch wurden Einzelgehöfte in dieser Gegend nachgewiesen.

Römische Straßenbefestigungen und Reste eines römischen Gebäudes fanden sich auch am Speckelstein, wo die Römer wohl einen befestigten Beobachtungsposten zur Sicherung der aus der Eifel nach Köln führenden römischen Wasserleitung unterhielten (specula = Warte).

Die Wasserleitung erreichte östlich von Palmersheim die Oberdreeser Gemarkung und führte dann weiter in westlicher Richtung oberhalb der Bahnlinie, unterquerte den Locher Weg und erreichte über die Flur „Im Rodderfeld“ Rheinbach.

Eine Römerstraße verlief von Niederzier, Sievernich, Großbüllesheim, Essig, Oberdrees, Rheinbach nach Kripp, wo sie auf die alte Aachen-Frankfurter Heerstraße traf. Der südlich unseres Ortes zeitweilig längst der Trasse der ehemaligen römischen Wasserleitung verlaufende Reuterpfad deutet ebenfalls auf die ehemals römische Besiedelung hin. Die Flurbezeichnung Reiter belegt wohl ohne Ausnahme Römerwege und einer der Höfe in der nahebeiliegenden Siedlung Schornbusch trägt noch heute den Namen Römerhof.

Auch das gehäufte Vorkommen von Scherben und vor allem Ziegelbruchstücken in Oberdrees zeigt nachgewiesenermaßen eine teilweise römische Besiedelung unseres Ortes. An diese Funde erinnern die Flurbezeichnungen „Auf der Kannengasse, Am Töppesmaar“ und „An der Mergelkaul“ ebenso wie an die Vermutung, dass hier zu dieser Zeit Keramik- und Töpfereigewerbe ausgeübt wurden.

Nach der Eroberung Kölns durch die Franken im Jahre 355 begann die fränkische Besiedelung unseres Heimatraumes. Die Franken ließen die Steinbauten aus römischer Epoche verfallen und errichteten die ihnen gewohnten Fachwerkbauten. In Oberdrees befinden sich noch heute zahlreiche Gehöfte nach fränkischer Bauart, über die in einer anderen Schrift noch ausführlich berichtet werden soll.

Nach dem Ende der Römerherrschaft gehörte unsere Heimat dem fränkischen Königreich Ripuarien an. Oberdrees lag damals im Zülpichgau, 865 wird es im Bonngau (Dreisa in pago Bunnemsi) genannt. Die Herrschaft der Gaue hatten vom König ernannte Gaugrafen inne, die das weit verstreute Krongut, so auch das einstige Königsgut Oberdrees, verwalteten.
od 2006 300
Heute erinnern die Straßennamen Frankenstraße und Odinstraße an die fränkische Besiedelung unseres Ortes.
Betrachtet man Oberdrees aus der Vogelperspektive, erkennt man auch heute unschwer, dass es sich bei unserem Dorf um einen so genannten Rundling handelt. Der Ort hat sich ursprünglich um eine Burg bzw. um einen befestigten Gutshof gebildet, dessen Abgrenzungen der heute noch so genannte Burggraben und die Oberdreeser Straße vermuten lassen.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf Dreisa (Oberdrees) in einer Urkunde aus dem Jahre 856. Damals verleiht König Lothar II. einem Vasallen Otbert unter anderem Güter in Oberdrees. In einem Güterverzeichnis der Abtei Prüm aus dem Jahre 893 ist Oberdrees als Dreyse aufgeführt.

Der Name Drees, auch Dreis, Dreyse, Dreisa oder Drieß ist wohl von dem heute noch gebräuchlichen Wort Dreesch oder Driesch, was soviel wie Brachfeld bedeutet, abzuleiten. Die Flurbezeichnung „Am Driesch“ kommt noch heute in unserer Gemarkung vor.

(Brozio: Im Bereich des Oberdreeser Gewerbegebietes, östlich der Mieler Straße, tragen heute die Namen der Bebauungspläne „Im Broich“ und „Am Dorndresch“ die alten Lage- und Flurbezeichnungen).

Da Oberdrees als fränkische Siedlung auf dem Gebiet des merowingisch-karolingischen Königshofes Hockebur (bei Kirchheim) lag, kann man annehmen, dass unser Ort schon zu merowingischer Zeit eine Kirche hatte. Im 7. und 8. Jahrhundert war Aegidius einer der Lieblingsheiligen der Franken.

Die Kirche war mit dem Burghof als Eigenkirche der Herren von Kreisa verbunden und gehörte ihnen nach altem germanischen Recht mit alles Rechten und Einkünften.

Als Besitzer des Kirchenpatronats und des Burghofes wird 1403 Frambach Nyt von Birgell „mit der Hälfte der Herrschaft Drees“ erwähnt. Der Hof wurde 1453 von Johann von Schöneck wahrscheinlich preisgegeben und 1456 wird als Besitzer von der Leyen genannt. Die letzten Patronatsherren waren die Freiherren von Kesselstadt 1732 bis zum Jahre 1800.

Ende des 9. Jahrhunderts wurde unser Heimatgebiet von den Normannen verwüstet und nach der restlosen Zerstörung des Königshofes Hockebur verlegten die Pfalzgrafen ihren Sitz auf den Tomberg. Oberdrees wurde eine der Gerichtsstätten der Tomberger. Ein Oberdreeser Schöffensiegel von 1530 zeigt einen Heiligen mit Bischofsstab, an dem ein Tier in die Höhe springt. Über die Gerichtshoheit konstatiert Bernhard Quad von Landskron in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, dass ihnen zustand: „Gebott und Verbott, Glockenklang, Wassergang, alle Obrigkeit, Hoheit zu Galgen und raderen“, und dass sie die Gerichtshoheit ausgeübt hätten „mit Angriff und Beilegung der Mißthediger, mit execution der peinlichen Urtheilen, durch köpffen, raderen, brennen, außschleifen, glünden Zangen reißen, außgeißelen, Finger abhawen, Kertzen und Stein tragen“.

Der Gerichtsplatz befand sich damaligem Brauch entsprechend außerhalb des Dorfes unmittelbar links der Bundesstraße in Richtung Essig. Der heute noch vorkommende Flurname „Am Gericht“ erinnert an diese Stätte.

Zu dieser Zeit war die verwaltungspolitische Lage in Oberdrees von vier bzw. fünf Herren mit insgesamt sieben Teilen bestimmt, die sich im jeweils ein- oder zweijährigem Turnus in der Herrschaft ablösten. Oberdrees hatte also zu jener Zeit recht oft die Freude, ein neues Staatsoberhaupt begrüßen zu können.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten die Grafen von Satzenhoven Anteil an Oberdrees. In einer Akte vom 28.09.1768 erklärt Maria von Villich, dass ihr „die mittherrschaft und also die Regierung zu Oberdrees ohnstreitig anerfallen“ sei.

od 1808 300

Nach einem Vermerk von Pfarrer Nürlings, der von 1743 bis 1797 – also 54 Jahre – Pfarrer in Oberdrees war, wurde das neue Regierungsprogramm am 29.09.1768 von der Kanzel publiziert. Nach diesen Grundsätzen, die eher einer Polizeiordnung glichen, hatten die Untertanen sich zu richten.

Mit der Besetzung der linksrheinischen Rheinlande durch die Franzosen im Jahre 1794 wurden die Lehensverhältnisse durch die französische Gesetzgebung abgeschafft. Die Zerstückelung der adeligen, geistlichen und geschlossenen Bauerngüter sowie die Aufhebung des Zehnten haben wesentlich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Landbevölkerung beigetragen.

Der Landmann, wenn er am Güterhandel teilnehmen konnte, lebte besser als vordem und wurde zunehmend wohlhabender. Die ärmere Klasse hatte aufgrund der vielen Pachtungen unendlich gelitten.
Die erste topographische Aufnahme unseres Heimatgebietes erfolgte ab 1803 unter französischer Verwaltung und wurde in den Jahren 1816 bis 1820 unter dem preußischen Generalmajor Freiherr von Müffling weitergeführt.Die Karte vermittelt einen ausgezeichneten Einblick in die Landschaft um Oberdrees und dürfte für einen weit in kurkölnische Zeit zurückreichenden Zeitraum die örtlichen Verhältnisse und die Bebauung wiedergeben.

Oberdrees hatte im Jahre 1816 lt. Zählung 84 Häuser und 458 Einwohner sowie 846 Morgen Ackerland, 43 Morgen Wiesen, 33 Pferde, 18 Ochsen, 130 Kühe, 230 Schafe, 90 Schweine und 34 Bienenstöcke.