Die historische Karten (© Geobasisdaten: Landesvermessungsamt NRW, Bonn 1612/2007) zeigen die Entwicklung und Veränderungen um Oberdrees in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Karten zeigen die Jahre von 1938 - 2006 die in einer Diashow hintereinander gelegt sind, so dass man die Veränderungen im Ort und in Feld und Flur einfacher nachvollziehen kann.
Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees,
aufgezeichnet von Bürgermeister Peter Loben.

Es sind die Jahre 1940, 1945 und 1946 eingestellt.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1940
In der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1940 – dem Tag des Beginns des Westfeldzuges – erlebte die Bevölkerung den ersten Luftangriff. Der Bahnhof Rheinbach war das Ziel des Angriffs, den die Oberdreeser interessiert in Nichtachtung der Gefahr wie ein kostenlosen Schauspiel verfolgten. Ihre Neugier erhielt jedoch einen großen Dämpfer, als man am nächsten Tag die Wirkung des Bombardements erkannte, und man zog doch vor, beim nächsten Male sein Leben etwas mehr in acht zu nehmen. Dazu sollte sich schon bald Gelegenheit finden. In der Nacht vom 17. zum 18. Juli fiel eine Luftmine 250 m vom Ort entfernt in der Nähe der Sandgruben, wo sie mit ohrenbetäubendem Knall zerbarst. Allenthalben waren im Ort die Fensterscheiben eingedrückt, die Dächer abgehoben und Türen aus den Angeln gerissen. Ebenfalls waren die Kirchenfenster auf der Westseite aus ihren Bleiverglasungen gerüttelt und lagen zertrümmert am Boden. Die Oberdreeser wallfahrten am nächsten Tag zur Einschlagstelle und raunten sich zu: „Wenn die im Dorf......! Man wagte nicht weiter zu denken.

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1945
Mit den wenigen Arbeitern, welche noch hier sind, wird die Feldarbeit wieder aufgenommen. Mit unseren zurückflutenden Soldaten sind die früher hier im Arbeitseinsatz stehenden Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter, etwa 70 Mann, ebenfalls abgezogen. Unsere Söhne und Bürger sind alle in Gefangenschaft gewandert, so dass kaum noch vollwertige Arbeiter hier sind. Aber die Felder müssen wieder bestellt werden.
Obschon zahlreiche Bombentrichter, Stellungsbauten, Einmannlöcher und dergleichen die Arbeiten sehr erschweren, es wird wieder gearbeitet und gesäet, wir wollen weiterleben und wieder aufbauen. Infolge ungenügender Arbeitskräfte verschiebt sich die Aussaat um bald einen Monat und der fehlende Dünger trägt mit dazu bei, daß das Jahr 1945 eine nur 50% Ernte bringt, bei Hackfrucht ist es noch weniger. Die Auswirkung hiervon wird im nächsten Jahr katastrophal.
Am 29. März rollt der erste Zug wieder auf der Strecke, der Bahn Bonn Düren. Es sind aber alliierte Militärzüge, deren Räder für ihren Sieg rollen. Erst später wird den Deutschen das Mitfahren auf leeren Güterwagen erlaubt, bis im Sommer wieder planmäßige Personenzüge eingesetzt werden konnten. Den ganzen Sommer über passieren viele deutsche Kriegsgefangene den Ort, um rückwärts in Sammellager gebracht zu werden. Und nicht selten geschieht es, dass Oberdreeser
Soldaten hier durch den Ort in Gefangenschaft ziehen und ein erstes Lebenszeichen von sich geben. Ebenfalls belagern wieder unzählige Flüchtlinge die Straßen, die in ihre verlassene Heimat zurückkehren wollen. Jede Nacht muß für diese armen Menschen Quartier gemacht werden, deren Rückwanderung Wochen gar monatelang andauert. In ihren Augen stehen die Not, Sorge und Entbehrung und das Leid geschrieben.
Am 19. April brennt nach langer Zeit wieder das elektrische Licht. Die Rheinbacher Molkerei setzt den 24. April als Tag ihres Arbeitsbeginns fest. Am 25. April läuten in Oberdrees wieder die Kirchenglocken, oder vielmehr das eine „Armsünderglöckchen“, das uns noch geblieben ist.
Am 28. April sind die ersten Soldaten des Ortes aus der Gefangenschaft zurück, jedoch nicht als Entlassene, sondern als Flüchtlinge. Sie bringen erste Kunde von dem Leben in der Gefangenschaft, von Hunger und Not und nicht zuletzt auch vom Ende dieses gewaltigen Ringens, vom Ende dieses Krieges. Es kann ja nicht mehr lange dauern. Wo soll denn das noch hin?

Abschrift aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretung Oberdrees 1946

Die am 29. Oktober 1946 angeordnete Volkszählung ergab in Oberdrees

204 selbstständige Haushaltungen mit
767 bewohnten Räumen und
376 Personen männlich
458 Personen weiblich

834 Personen zusammen, davon
80 Zugezogene aus der britischen Zone
85 Zugezogene aus der russischen Zone
12 Zugezogene aus der amerik. Zone

42 Söhne der Gemeinde befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft.

gez. Loben G.V. 3.11.46

Die Viehzählung vom 3. Dez. 1946 ergab:

79 Pferde einschl. Fohlen
1 Esel
399 Rindvieh
428 Hühner
15 Schafe
65 Gänse
233 Schweine
4 Enten
43 Ziegen
4 Truthühner
357 Kaninchen
12 Zwerghühner
Nachstehende Übersicht stellt die Ergebnisse der Wahlen zum Stadtrat in Rheinbach seit 1969 dar:
Die fett dargestellten Zahlen zeigen auf, in welcher Ratsperiode die CDU die absolute Mehrheit hatte.

Termin Kommunalwahl

CDU

SPD

UWG

FDP

Bündnis 90 / Die Grünen

Gesamtzahl der Ratsmitglieder

09.11.1969

19

12

--

2

--

33

04.05.1975

26

11

--

2

--

39

30.09.1979

24

12

--

3

--

39

30.09.1984

18

9

8

2

2

39

01.10.1989

19

9

7

2

2

39

16.10.1994

20

11

6

--

2

39

12.09.1999

19

8

5

2

2

36

26.09.2004

17

9

5

2

3

36

30.08.2009

17

8

4

4

3

36

25.05.2014

17

10

3

3

3

36

Herr Heinz Büttgenbach berichtete 2008 in "kultur und gewerbe" über die Gemeinedevertretungen der rheinbacher Orte.

Mit seiner Genehmigung veröffentlichen wir hier die Abhandlung über Oberdrees.
B1 1B2 1B3 1B4 1B5 1B6 1B7 1B8 1
B11 1
B12 1

Die heutige Stadt Rheinbach besteht aus der ehemaligen Kernstadt Rheinbach und den seit der kommunalen Neuordnung (1. August 1969) aus dem gleichzeitig aufgelösten Amt Rheinbach-Land hinzugekommenen neun, ehemals politisch selbständigen Gemeinden Flerzheim, Hilberath, Neukirchen, Niederdrees, Oberdrees, Queckenberg, Ramershoven, Todenfeld und Wormersdorf.

1969 hatte die neue Stadt Rheinbach 18.979 Einwohner, davon entfielen 11.542 EW auf die eigentliche Kernstadt.

Ebenfalls wurde 1969 im Zuge der kommunalen Neuordnung der ehemalige Landkreis Bonn aufgelöst und das Stadtgebiet Rheinbach dem neugebildeten Rhein-Sieg-Kreis zugeordnet.

Die Gemeindeordnung NRW regelt im § 39 die Gemeindebezirke in den kreisangehörigen Gemeinden. Demnach kann das Gemeindegebiet in Bezirke bzw. Ortschaften eingeteilt werden.

Für jeden Gemeindebezirk/Ortschaft sind vom Rat entweder Bezirksausschüsse zu bilden oder Ortsvorsteher zu wählen. Der Rat der Stadt Rheinbach hat sich seinerzeit für die Wahl von OrtsvorsteherInnen entschieden.

Somit wählt der Rat der Stadt Rheinbach seit 1970 für die Ortsteile Ortsvorsteher, dieser nimmt die Belange seines Bezirks/Ortschaft gegenüber dem Rat wahr. Der Ortsvorsteher kann für das Gebiet seiner Ortschaft mit der Erledigung bestimmter Geschäfte der laufenden Verwaltung beauftragt werden; er ist sodann zum Ehrenbeamten zu ernennen. Er führt diese Geschäfte in Verantwortung gegenüber dem Bürgermeister durch.

Namen und Zeiten der Oberdreeser Ortsvorsteher, nach den jeweiligen Kommunalwahlen seit 1969:

20.04.1970 - Ende 1973 Peter Eschweiler (genaues Ende-Datum nicht bekannt)

17.12.1973 - 04.05.1975 Ludwig Fett

18.06.1975 - 16.10.1994 Günter Mahlberg

ab 09.01.1995 Ludwig Fett

23.11.2009 Kurt Brozio

Die "Fehlzeiten" sind durch das jeweilige Ende der Wahlzeit und die Neuwahl durch den Rat bedingt.
Auf den historischen Karten der Jahre 1938 bis 1970 ist noch deutlich der Bahndamm zu erkennen, der unmittelbar am Ortsrand von Oberdrees entlanglief. Für den Bau der Autobahn A 61 wurde die Erdmasse des Bahndammes abgebaggert und an den Brücken aufgeschüttet und bildet jetzt die
Auf- und Abfahrrampen zu den Autobahnbrücken. Nach der Flurbereinigung ist die alte Dammtrasse verschwunden.
2726163Rund 40 Jahre querte diese Bahndammbrücke die Straße zwischen Oberdrees und Rheinbach. 1959 wurde die Brücke abgerissen. Das Foto entstand im April 1940, als deutsche Truppen Richtung Westen zogen.

Bild- und Textquelle: Dietmar Pertz

Aber wieso hat es den Bahndamm überhaupt gegeben?

Der Bahndamm war Teil der sogenannten „Strategischen Bahn“ die von den preußischen Militärs noch vor dem Ersten Weltkrieg aus strategischem Grund zur Kriegsführung geplant wurde.

Lesen Sie zur weiteren Erklärung den folgenden Artikel:

Mit Volldampf durch den Kreis - 150 Jahre Eisenbahn

Serie im Kölner Stadt-Anzeiger Dezember 1985 - Februar 1986
Von Helmut Weingarten
Erschienen im Rheinland-Verlag 1987 in überarbeiteter erweiterter Form als Buch „Die Eisenbahn zwischen Rhein und Erft“


8. Champignons im Tunnel
Kölner Stadtanzeiger vom 3.1.1986

Der erste Weltkrieg und der Braunkohleabbau machten Pläne zunichte

bahnhof liblarSo sah der Bahnhof Liblar einmal aus: Er sollte Kreuzungspunkt der geplanten „strategischen Bahn“ mit der Staatsbahn werden. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Inzwischen sind auch die Gebäude abgerissen.

Schon in den Anfangsjahren der Eisenbahn betrachteten die Militärs dieses neue Verkehrsmittel mit Argwohn. Sie befürchteten, die Bahn könnte in die Hände des Gegners fallen, der damit ein bequemes Transportmittel hätte. Was für die Verteidigung bedeutet hätte, wagten sie sich nicht auszudenken. So schauten bei den Genehmigungsverfahren für neue Strecken in Berlin nicht nur die Ministerialen des Innenministeriums in die Akten der damals noch privaten Gesellschaften, auch der Generalstab hatte ein gewichtiges Wort mitzureden.

Schon die Rheinische Eisenbahn Gesellschaft, eine der führenden westdeutschen Bahngesellschaften, bekam das in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu spüren, als sie die Strecke Köln-Aachen baute. Um das Ziel Köln zu erreichen, mußte der Schienenstrang den damals noch bestehenden Festungsgürtel durchqueren. Das stellte die Planer wegen des starken Funkenfluges der ersten Lokomotiven vor erhebliche Probleme - immerhin lagen an der Strecke Munitionslager. Schließlich fand man doch noch eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung.

Die Militärs erkannten später aber auch für sich den strategischen Nutzen der Eisenbahn für den Transport von Truppen und Material. Zu diesem Umdenkungsprozeß hatten der Krieg 1870/71 und Erfahrungen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg den Ausschlag gegeben.

So entstand bei den preußischen Generalstäblern wenige Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges der Plan für eine besonders leistungsfähige, „strategische Bahn“. Sie sollte - ohne Köln zu berühren - linksrheinisch das Rhein-Ruhr-Gebiet mit dem lothringischen Industrierevier verbinden.

Vorgesehen war eine Strecke von Neuss über Rommerskirchen, Bergheim, Horrem, Liblar und Rheinbach nach Dernau an der Ahr.

Gleichzeitig sollte diese „strategische Bahn“ die bestehende linksrheinische Eisenbahn entlasten. Die Planung für das Projekt und der Streckenausbau wurden mit großem Eifer betrieben.

karte bahndammAus dem Jahr 1917 stammt diese Karte mit der eingezeichneten (gestrichelten) Linie der „strategischen Bahn“. Bei den Strecken 3 und 4 handelt es sich ebenfalls um militärische Linien.

Doch dann kam alles anders: Das Kriegsende und der Versailler Vertrag bedeuteten das Aus für die Bahn. Ein herber Schlag, denn auf der Strecke von der Ahr bis Liblar waren schon beachtliche bauliche Vorleistungen erbracht worden.

Heute noch sind Einschnitte, Dammaufschüttungen, Brückenbauwerke und Tunnel vorhanden. Die Bürger machten aus der Not eine Tugend und nutzten die Vorgaben der gescheiterten Bahnbauer. In den Tunnels züchteten sie Champignons, an den Dämmen wurden Rebstöcke gepflanzt und ein Teil der Trasse wurde als Radwanderweg und Straße ausgebaut. Die Erfttalstraße liegt zum Teil auch auf dieser Trasse.

Aber in einem Abschnitt ging die „strategische Bahn“ doch in Betrieb, und zwar zwischen Rommerskirchen-Mödrath und Liblar. Allerdings verkehrten hier keine Militärzüge, sondern Kohletransporte.

Dabei hatte es gerade auch für Mödrath große Pläne gegeben. Diese Station sollte als Eisenbahn-Knotenpunkt und als Hauptbetriebswerk ausgebaut werden. Doch der Braunkohlenbergbau machte die Planungen zunichte.

Die einzige befahrene Strecke der in die Fachliteratur als „Unvollendete“ eingegangenen strategischen Bahn, gehörte ursprünglich den Bergheimer Kreisbahnen und der Mödrath-Liblar-Brühler-Eisenbahn. Beide übernahm im Jahre 1913 der Staat.

Teile der Strecke wurden später stillgelegt, so am 23. Mai 1971 der Abschnitt Rommerskirchen-Niederaußem. Der letzte Personenverkehr verkehrte im Mai 1961 zwischen Liblar und (dem 1956 neu angelegten Bahnhof) Mödrath.


moedrathDoch dann kam alles anders: Das Kriegsende und der Versailler Vertrag bedeuteten das Aus für die Bahn. Ein herber Schlag, denn auf der Strecke von der Ahr bis Liblar waren schon beachtliche bauliche Vorleistungen erbracht worden.

Heute noch sind Einschnitte, Dammaufschüttungen, Brückenbauwerke und Tunnel vorhanden. Die Bürger machten aus der Not eine Tugend und nutzten die Vorgaben der gescheiterten Bahnbauer. In den Tunnels züchteten sie Champignons, an den Dämmen wurden Rebstöcke gepflanzt und ein Teil der Trasse wurde als Radwanderweg und Straße ausgebaut. Die Erfttalstraße liegt zum Teil auch auf dieser Trasse.

Aber in einem Abschnitt ging die „strategische Bahn“ doch in Betrieb, und zwar zwischen Rommerskirchen-Mödrath und Liblar. Allerdings verkehrten hier keine Militärzüge, sondern Kohletransporte.

Dabei hatte es gerade auch für Mödrath große Pläne gegeben. Diese Station sollte als Eisenbahn-Knotenpunkt und als Hauptbetriebswerk ausgebaut werden. Doch der Braunkohlenbergbau machte die Planungen zunichte.

Die einzige befahrene Strecke der in die Fachliteratur als „Unvollendete“ eingegangenen strategischen Bahn, gehörte ursprünglich den Bergheimer Kreisbahnen und der Mödrath-Liblar-Brühler-Eisenbahn. Beide übernahm im Jahre 1913 der Staat.

Teile der Strecke wurden später stillgelegt, so am 23. Mai 1971 der Abschnitt Rommerskirchen-Niederaußem. Der letzte Personenverkehr verkehrte im Mai 1961 zwischen Liblar und (dem 1956 neu angelegten Bahnhof) Mödrath.

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