Das Dorf Oberdrees liegt in der Ebene der Kölner Bucht, etwa 20 km westlich der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn (315.000 EW) und ca. 40 km südlich der Metropole Köln (990.000 EW).

luftbildSüdlich des Dorfes beginnt der sanfte Anstieg zur Voreifel, diese geht später in die Mittelgebirgslandschaft der Eifel über. Höchster Punkt ist die Hohe Acht mit 747m ü. NN (Meter über Normal Null, Amsterdamer Pegel).

Oberdrees liegt etwa 160 Meter über dem Meeresspiegel (von ca. 155 bis 165m ü. NN).

Vorgebirge und Rhein, die Ausläufer der Eifel und das Siebengebirge umgeben die Kölner Bucht. Zum Ahrgebirge mit seiner zerklüfteten jedoch lieblichen Weinanbaulandschaft sind es nur wenige Kilometer.

Die landwirtschaftlichen Nutzflächen, mit überwiegend Getreide- und Zuckerrübenanbau, liegen auf fruchtbaren Böden.

Etwa 1 km südlich des Dorfes erreicht man die ersten Waldgebiete des Forstes Schornbusch (Kreis Euskirchen) und des Rheinbacher Stadtwaldes

Bei der Internetrecherche über Oberdrees wurde die Autobiographie von Herrn Karlheinz Franke gefunden. Herr Franke war nach dem Krieg Bauernknecht in Oberdrees.

franke1Der folgende Text ist seinem Buch entnommen:

Am 13. Mai 1949 kamen wir auf dem Bahnhof in Rheinbach an und liefen mit unserem Rucksack nach Oberdrees, wo ich mich auf dem Bauernhof K... meldete. Meine Unterkunft war eine unbeheizte Kammer über dem Schweinestall. Das Mobiliar bestand aus einem Bett, einem Schrank und einer alten Treckerbank. Gewaschen habe ich mich unter dem kalten Wasserhahn in der Waschküche. Samstags wurde im Schweinestall eine Holzwanne aufgestellt, ein Kessel Wasser heiß gemacht, und man konnte zu einer festgesetzten Zeit baden. Frau K... war Witwe. Ihr Mann war in den letzten Kriegstagen mit dem Trecker auf eine Miene gefahren. Ihr Sohn Joseph war etwas jünger als ich und spielte den Chef. Außerdem waren noch die beiden Töchter im Hause. Die ältere Tochter war Kriegerwitwe und hatte ihren Hof in der Altmark verloren, die jüngere war mit einem Gutsbesitzer aus dem Nachbardorf befreundet und hoffte, dass er sie heirate. Zur „Herrschaft“ gehörte auch noch ein entlassener Soldat aus Ostpreußen. Sein Vater war früher Hotelbesitzer gewesen, und er hatte während des Krieges dort im Quartier gelegen. Die Herrschaft aß die Mahlzeiten im Wohnzimmer und wenn abgeräumt wurde, bekamen wir, Anna und ich, manchmal auch noch Arbeiter aus dem Dorf in der Küche unser Essen. Anna war Flüchtling aus Schlesien und hatte einen fünfjährigen Jungen, der von einem Russen stammte.


frankeIch hatte morgens die vier Pferde zu putzen und zu füttern. Es waren schwere Belgier, die hart arbeiten mussten, besonders beim Pflügen auf dem schweren Lehmboden. Anschließend gab es Frühstück. Nach dem Frühstück fuhren wir auf die Felder, um Futter für die Kühe zu holen. Die Felder lagen sehr weit auseinander, da Frau Kleefuß mehrere Hektar mit in die Ehe gebracht hatte. Die Kühe standen das ganze Jahr über im Stall, und das Jungvieh lief auf dem Misthaufen herum und wurde dort gefüttert. Es gab einen leichten Trecker, der aber nur zum Mähen des Futters gebraucht wurde. Das Gemenge, Klee und Seradella, mussten wir zusammenharken und auf einen einachsigen Wagen laden, der auf dem Hof abgekippt wurde. Wenig begeistert war ich von der Arbeit des Rübenverziehens. Es wurde mit der Hacke vorgearbeitet und dann auf den mit alten Säcken umwickelten Knien verzogen und nur eine Rübenpflanze stehen gelassen. Sonntags gingen Edgar und ich zu Fuß nach Rheinbach zur Kirche. Die evangelische Kirchengemeinde war mit ihren Gottesdiensten in einer kleinen Klosterkapelle zu Gast. Inzwischen hatten wir uns aus alten Teilen ein Fahrrad zusammengebaut und beschlossen, an den Rhein zu fahren. Wir landeten in Remagen, wo mehrere Rheinschiffe am Ufer lagen und auf Schleppdampfer warteten. Ich fragte einen Schiffer, ob er nicht einen Matrosen gebrauchen könne. Er sagte ja, aber dann müsse ich spätestens in zwei Tagen anfangen, weil dann der Dampfer käme. Auch für Edgar war auf dem Nachbarschiff eine Stelle frei geworden, und wir fuhren glücklich nach Oberdrees zurück. Als ich kündigte, gab es mit Jupp Kleefuß eine handgreifliche Auseinandersetzung, die seine Mutter aber dann schlichtete. Ich nahm Abschied von meiner Kammer mit den russischen und polnischen Beschriftungen an der Holzwand und schrieb an einer freien Stelle das Goethe-Zitat hinzu: „Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht, wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht.“ Dann fuhren wir mit dem Bus nach Remagen, weil Jupp mir das Rad weggenommen hatte.

 Herr Franke selbst lebt heute in Wildeshausen bei Oldenburg.

Wer nun Interesse hat das ganze Buch zu lesen, kann es unter nachstehender Adresse bestellen. Die Kontaktaufnahme ist ebenfalls über die Adresse möglich.

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Die Rheinbacher Bürger beweinten noch die Opfer des "Schwarzen Tages", da hagelte es erneut Bomben auf die Stadt - Auch die umliegenden Dörfer blieben nicht verschont

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Kurzer geschichtlicher Überblick, recherchiert von Norbert Strauch im Jahr 1984, veröffentlicht anlässlich des Straßenfestes im Neubaugebiet Stolpstraße am 20. Juni 1984.

Redigiert von Kurt Brozio am 14. Juli 2007.
(Ein offizieller Text zur Dorfgeschichte wird zur Zeit vom Stadtarchivar der Stadt Rheinbach, Herrn Dietmar Pertz, erstellt.)

Das Gebiet unseres Heimatortes wurde bereits vor etwa 7000 Jahren von einwandernden Menschen besiedelt. Spuren früherer Ansiedlung wurden 1919 bei Lützermiel entdeckt und auf ein Alter von 6000 Jahren geschätzt.

(Kurt Brozio: Lützermiel lag in der Nähe des heutigen Swisttal-Miel, an der Schnittstelle zwischen der B56 von Miel in Richtung Bonn und des Swistbachs; Details hierzu sollen in einer Nachfrage bei Dr. Klaus Grewe vom Rheinisches Landesmuseum Bonn, geklärt und hinzugefügt werden; Dr. Grewe ist mir persönlich bekannt).

Es fanden sich Feuersteinsplitter und Bruchstücke eines Steinbeiles.

Ein Mahlstein einer neolithischen Handmühle aus Mayener Basaltlava wurde in Oberdrees gefunden; er befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Nachdem Cäsar Gallien erobert hatte, wurde der Rhein Grenze des Römischen Reiches. Dabei wurden die damals in unserem Heimatgebiet lebenden Eburonen durch die Römer ausgerottet und es wurden hier die friedlicheren Ubier von der rechten Rheinseite angesiedelt. Reste geschlossener Siedlungen aus römischer Zeit konnten bisher nicht gefunden werden, jedoch wurden Einzelgehöfte in dieser Gegend nachgewiesen.

Römische Straßenbefestigungen und Reste eines römischen Gebäudes fanden sich auch am Speckelstein, wo die Römer wohl einen befestigten Beobachtungsposten zur Sicherung der aus der Eifel nach Köln führenden römischen Wasserleitung unterhielten (specula = Warte).

Die Wasserleitung erreichte östlich von Palmersheim die Oberdreeser Gemarkung und führte dann weiter in westlicher Richtung oberhalb der Bahnlinie, unterquerte den Locher Weg und erreichte über die Flur „Im Rodderfeld“ Rheinbach.

Eine Römerstraße verlief von Niederzier, Sievernich, Großbüllesheim, Essig, Oberdrees, Rheinbach nach Kripp, wo sie auf die alte Aachen-Frankfurter Heerstraße traf. Der südlich unseres Ortes zeitweilig längst der Trasse der ehemaligen römischen Wasserleitung verlaufende Reuterpfad deutet ebenfalls auf die ehemals römische Besiedelung hin. Die Flurbezeichnung Reiter belegt wohl ohne Ausnahme Römerwege und einer der Höfe in der nahebeiliegenden Siedlung Schornbusch trägt noch heute den Namen Römerhof.

Auch das gehäufte Vorkommen von Scherben und vor allem Ziegelbruchstücken in Oberdrees zeigt nachgewiesenermaßen eine teilweise römische Besiedelung unseres Ortes. An diese Funde erinnern die Flurbezeichnungen „Auf der Kannengasse, Am Töppesmaar“ und „An der Mergelkaul“ ebenso wie an die Vermutung, dass hier zu dieser Zeit Keramik- und Töpfereigewerbe ausgeübt wurden.

Nach der Eroberung Kölns durch die Franken im Jahre 355 begann die fränkische Besiedelung unseres Heimatraumes. Die Franken ließen die Steinbauten aus römischer Epoche verfallen und errichteten die ihnen gewohnten Fachwerkbauten. In Oberdrees befinden sich noch heute zahlreiche Gehöfte nach fränkischer Bauart, über die in einer anderen Schrift noch ausführlich berichtet werden soll.

Nach dem Ende der Römerherrschaft gehörte unsere Heimat dem fränkischen Königreich Ripuarien an. Oberdrees lag damals im Zülpichgau, 865 wird es im Bonngau (Dreisa in pago Bunnemsi) genannt. Die Herrschaft der Gaue hatten vom König ernannte Gaugrafen inne, die das weit verstreute Krongut, so auch das einstige Königsgut Oberdrees, verwalteten.
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Heute erinnern die Straßennamen Frankenstraße und Odinstraße an die fränkische Besiedelung unseres Ortes.
Betrachtet man Oberdrees aus der Vogelperspektive, erkennt man auch heute unschwer, dass es sich bei unserem Dorf um einen so genannten Rundling handelt. Der Ort hat sich ursprünglich um eine Burg bzw. um einen befestigten Gutshof gebildet, dessen Abgrenzungen der heute noch so genannte Burggraben und die Oberdreeser Straße vermuten lassen.

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf Dreisa (Oberdrees) in einer Urkunde aus dem Jahre 856. Damals verleiht König Lothar II. einem Vasallen Otbert unter anderem Güter in Oberdrees. In einem Güterverzeichnis der Abtei Prüm aus dem Jahre 893 ist Oberdrees als Dreyse aufgeführt.

Der Name Drees, auch Dreis, Dreyse, Dreisa oder Drieß ist wohl von dem heute noch gebräuchlichen Wort Dreesch oder Driesch, was soviel wie Brachfeld bedeutet, abzuleiten. Die Flurbezeichnung „Am Driesch“ kommt noch heute in unserer Gemarkung vor.

(Brozio: Im Bereich des Oberdreeser Gewerbegebietes, östlich der Mieler Straße, tragen heute die Namen der Bebauungspläne „Im Broich“ und „Am Dorndresch“ die alten Lage- und Flurbezeichnungen).

Da Oberdrees als fränkische Siedlung auf dem Gebiet des merowingisch-karolingischen Königshofes Hockebur (bei Kirchheim) lag, kann man annehmen, dass unser Ort schon zu merowingischer Zeit eine Kirche hatte. Im 7. und 8. Jahrhundert war Aegidius einer der Lieblingsheiligen der Franken.

Die Kirche war mit dem Burghof als Eigenkirche der Herren von Kreisa verbunden und gehörte ihnen nach altem germanischen Recht mit alles Rechten und Einkünften.

Als Besitzer des Kirchenpatronats und des Burghofes wird 1403 Frambach Nyt von Birgell „mit der Hälfte der Herrschaft Drees“ erwähnt. Der Hof wurde 1453 von Johann von Schöneck wahrscheinlich preisgegeben und 1456 wird als Besitzer von der Leyen genannt. Die letzten Patronatsherren waren die Freiherren von Kesselstadt 1732 bis zum Jahre 1800.

Ende des 9. Jahrhunderts wurde unser Heimatgebiet von den Normannen verwüstet und nach der restlosen Zerstörung des Königshofes Hockebur verlegten die Pfalzgrafen ihren Sitz auf den Tomberg. Oberdrees wurde eine der Gerichtsstätten der Tomberger. Ein Oberdreeser Schöffensiegel von 1530 zeigt einen Heiligen mit Bischofsstab, an dem ein Tier in die Höhe springt. Über die Gerichtshoheit konstatiert Bernhard Quad von Landskron in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, dass ihnen zustand: „Gebott und Verbott, Glockenklang, Wassergang, alle Obrigkeit, Hoheit zu Galgen und raderen“, und dass sie die Gerichtshoheit ausgeübt hätten „mit Angriff und Beilegung der Mißthediger, mit execution der peinlichen Urtheilen, durch köpffen, raderen, brennen, außschleifen, glünden Zangen reißen, außgeißelen, Finger abhawen, Kertzen und Stein tragen“.

Der Gerichtsplatz befand sich damaligem Brauch entsprechend außerhalb des Dorfes unmittelbar links der Bundesstraße in Richtung Essig. Der heute noch vorkommende Flurname „Am Gericht“ erinnert an diese Stätte.

Zu dieser Zeit war die verwaltungspolitische Lage in Oberdrees von vier bzw. fünf Herren mit insgesamt sieben Teilen bestimmt, die sich im jeweils ein- oder zweijährigem Turnus in der Herrschaft ablösten. Oberdrees hatte also zu jener Zeit recht oft die Freude, ein neues Staatsoberhaupt begrüßen zu können.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten die Grafen von Satzenhoven Anteil an Oberdrees. In einer Akte vom 28.09.1768 erklärt Maria von Villich, dass ihr „die mittherrschaft und also die Regierung zu Oberdrees ohnstreitig anerfallen“ sei.

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Nach einem Vermerk von Pfarrer Nürlings, der von 1743 bis 1797 – also 54 Jahre – Pfarrer in Oberdrees war, wurde das neue Regierungsprogramm am 29.09.1768 von der Kanzel publiziert. Nach diesen Grundsätzen, die eher einer Polizeiordnung glichen, hatten die Untertanen sich zu richten.

Mit der Besetzung der linksrheinischen Rheinlande durch die Franzosen im Jahre 1794 wurden die Lehensverhältnisse durch die französische Gesetzgebung abgeschafft. Die Zerstückelung der adeligen, geistlichen und geschlossenen Bauerngüter sowie die Aufhebung des Zehnten haben wesentlich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Landbevölkerung beigetragen.

Der Landmann, wenn er am Güterhandel teilnehmen konnte, lebte besser als vordem und wurde zunehmend wohlhabender. Die ärmere Klasse hatte aufgrund der vielen Pachtungen unendlich gelitten.
Die erste topographische Aufnahme unseres Heimatgebietes erfolgte ab 1803 unter französischer Verwaltung und wurde in den Jahren 1816 bis 1820 unter dem preußischen Generalmajor Freiherr von Müffling weitergeführt.Die Karte vermittelt einen ausgezeichneten Einblick in die Landschaft um Oberdrees und dürfte für einen weit in kurkölnische Zeit zurückreichenden Zeitraum die örtlichen Verhältnisse und die Bebauung wiedergeben.

Oberdrees hatte im Jahre 1816 lt. Zählung 84 Häuser und 458 Einwohner sowie 846 Morgen Ackerland, 43 Morgen Wiesen, 33 Pferde, 18 Ochsen, 130 Kühe, 230 Schafe, 90 Schweine und 34 Bienenstöcke.

Erstellt aus Daten des amtlichen Liegenschaftskatasters des Rhein-Sieg-Kreises von Kurt Brozio
(Stichtag 31.12.2006), letzte Aktualisierung: 16. Juli 2007

Fläche der gesamten Gemarkung = 4.175.405 qm = 417,5 ha

Anzahl der Flurstücke in der Gemarkung Oberdrees = 1.430

(alte Bezeichnung = Parzellen)

       
Fläche der gesamten Gemarkung 4.175.405 qm 417,5 ha 100%
bebaute Fläche 399.910 qm 40 ha 9,58%
Sport- und Grünflächen 19.409 qm 1,9 ha 0,46%
landwirtschaftlich genutzte Fläche 3.295.077 qm 330 ha 78,92%
Wald- und Gehölzflächen 107.277 qm 10,7 ha 2,57%
Wasserflächen, einschl. Gräben 32.952 qm 3,3 ha 0,79%
Friedhofsfläche 3.875 qm 0,4 ha 0,09%
Historische Anlagen 126 qm 0,01 ha 0,00%
Verkehrsflächen 313.687 qm 31,4 ha 7,51%
flaeche 500

Zahl der Einwohner

insgesamt: 1500 (Stand: 04/2007)

einwohner

0 – 18 Jahre 272 EW
18 – 50 Jahre 628 EW
50 – 70 Jahre 445 EW
über 70 Jahre 155 EW

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